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Wein goes Online, also zumindest Weinhandel. In regelmässigen Abständen tauchen neue Online-Plattformen auf, in letzter Zeit Geile Weine und Bottleclub. Und Bottleclub habe ich mir jetzt mal näher angeschaut. Was steckt dahinter? Man erstellt zuerst sein persönliches Geschmacksprofil. Aufgrund dieses Profils empfiehlt der Bottleclub bzw. die Sommelière Christina Hilker jeden Monat Weine, die zum persönlichen Profil passen.

Jeder Wein kostet 9 €. Der Einstieg beginnt ab 3 Flaschen monatlich für nur € 27 + € 5 Versandkosten. Mein Paket bestand aus den folgenden Weinen:

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Mein Highlight unter den 4 Weinen ist der 2013 Jordan Winery Sauvignon Blanc. Ist das wirklich ein Sauvignon Blanc? Eine Bombe … Wir haben ihn zum medium rare/ medium gegrilltem Rindersteak mit Salat getrunken. Meiner Frau war an diesem Abend ein Roter zu schwer und so habe ich den Südafrikaner riskiert. Und er hat bestanden.

Viel fruchtiges Volumen mit Power. Nicht der dünne Katzenpippi-Sauvignon Blanc, sondern ein vollmundiger, würziger Weisswein mit viel Sonne und Paprika. Ich bin beeindruckt. Manchem wird er vielleicht zu bombig sein, Mir hat er geschmeckt. Kompliment Bottleclub: Volltreffer und von mir bekommt er 4 oder 5 von 5 möglichen Punkten!! Magic Jordan.

Dagegen viel mir der Pfälzer Sauvignon Blanc 2011 Egon Schmitt ab. Um Missverständnissen vorzubeugen. Er war sicher nicht schlecht, aber eben der erwartete deutsche Sauvignon Blanc, wie ihn unterdessen viele gerade junge Winzer machen, die typischerweise eine Zeit in Neuseeland oder so verbracht haben. Diese Weine sprießen nach meiner Beobachtung derzeit wie Pilze aus dem Boden. Dazu muss ich mal separat was schreiben. Sauvignon Blanc ist gerade in und es wird typischerweise genau ein solcher Wein produziert, wie ihn Egon Schmitt produziert. Nochmals: Sicher kein schlechter Wein, aber er fiel eben im Vergleich zum Südafrikaner dann doch ab. Getrunken wurde er zu einem Paprikahühnchen mit Spätzle und Salat. 3 von 5 möglichen Punkten.

Mit der Beschreibung der beiden Weine auf Bottelclub hadere ich etwas: „Geschmacklich zeigt er sich kraftvoll, mit einer deutlichen Mineralität …“ schreibt Christina Hilker. Und zum Jordan: „Ein wahrlich markanter Sauvignon Blanc , der sich mit den typischen Aromen von grüner Paprika, Stachelbeere und Brennnessel zeigt.“ Die Beschreibung des Pfälzers ist kraftvoller als die des Südafrikaners.

Nun zu den beiden Rotweinen. Im Paket war ein alter Bekannter. Also so alt auch nicht, ein 2009 Conde de Valdemar Rioja Crianza. Den „Waldi“ kenne ich mindestens 15 Jahre. Mein damaliger lokaler Weinhändler hat ihn mir zu dieser Zeit empfohlen und wir haben den Crianza (min. 2 Jahre gereift, davon 1 Jahr im Eichenfass), den Reserva (min. 3 Jahre gereift, davon 1 Jahr im Eichenfass) und den Cran Reserva (min. 2 Jahre gereift, davon 3 Jahr im Eichenfass) getrunken. Um es klar zu sagen: Der Crianza für 9 € sind ok, wenn man aber die beiden anderen, die deutlich teurer im Gedächntis hat. Trotzdem 4 von 5 Sternen für den „Waldi“-Rioja, der nichts mit dem unsäglichen Fussballreporter zu tun hat.

Last but not least: der 2011 Château de Bertinerie Blaye Côtes de Bordeaux Rouge. Tja, mit den Bordeaux stehe ich etwas auf Kriegsfuss. Entweder jenseits meines Preisrahmens oder oft unter meinem Rotweinstandard. Das Cuvée mit 60 % Merlot, 60% Merlot, mit Cabernet Franc (10%) und Cabernet Sauvignon (30%) ist sicher nicht der normale belanglose Bordeaux, der überall zu haben ist, aber er ist auch nicht der Brüller. Der „Waldi“ schlägt ihn in meinem internen Vergleich.

Die Beschreibungen von Christina Hilker finde ich in diesen beiden Fällen durchaus gelungen. Übrigens werden von ihr auch immer Tipps gegeben, zu welchen Gerichten mit welcher Temperatur und welchem Glas man den jeweiligen Wein trinken sollte. Das kann natürlich gerade auch hilfreich sein, wenn man seine Weinentdeckungsreise gerade startet.

Meine Zusammenfassung: Die Weine haben durchaus überzeugt. 2 von 4 Weinen lagen für mich über dem Durchschnitt, keiner ist wirklich durchgefallen. Die Idee mit Geschmacksprofil und dann entsprechende Weine schicken, ist vielversprechend. Hoffentlich lernt man dann weiter von den Bewertungen, die man nach dem Trinken auf Bottleclub abgeben kann. Klar, man kann nicht beliebig individuell werden, aber schön wäre es.

Die Webseite ist gut zu handhaben und einfach gehalten. Gut so. Sogar einen Live Chat gibt es. Kompliment. Und einen Blog. Da jubelt natürlich mein Bloggerherz. Der muss aber noch etwas reger gepflegt werden – ein Beitrag im Monat ist für die sprichwörtliche Katz -, sonst wird das nix mit den Lesern. Auf meinen mobilen Geräten habe ich die Webseite noch nicht ausprobiert. Muss natürlich heutzutage auch funzen. Guck ich mir noch an. Marketingtechnisch schickt Bottleclub regelmässig E-Mails. Man versucht schon, seine Angebote zu promoten. Lieferung und Abwicklung war problemlos. Alle heute notwendigen Standards eines modernen Shops scheinen erfüllt zu sein.

Wie ist dieser Beitrag initiiert worden? Bottleclub-Chef Markus Heller hat mich angeschrieben und gefragt, ob ich nicht Club und die Weine mal zu testen wolle. Sprich, das Paket war kostenlos für mich, aber nicht umsonst. Hat geschmeckt. So kam es zu diesem Beitrag.

Das Konzept erscheint fair und interessant. Man kann jederzeit kündigen oder pausieren. Mit aller Vorsicht – habe ja Bottleclub gerade erst kennengelernt – eine erste Bewertung:

Anbieter Bottleclub
Produktauswahl Sommelier empfiehlt Wein aufgrund persönlichen Geschmacksprofils
Online-Auftritt Modern und übersichtlich, mit Blog und Live Chat
Marketingansatz E-Mail Promotions. Der Blog ist derzeit etwas verkümmert. Man scheint sich online umzuhören.
Empfehlungsmarketing Gab schon einige Beiträge zum Bottleclub, die ich gelesen habe. Na ja, immerhin ist man sogar auf meinen privaten Blog aufmerksam geworden.
Bewertung des Marketingansatzes
(Sterne 1 ausreichend bis 5 sehr gut)
★★★★
Bewertung des Weinangebots (Sterne 1 ausreichend bis 5 sehr gut) ★★★★ (mit aller Vorsicht nach einem Test als Vorschusslorbeeren)
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