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FAZ am 5.1.2013

Die Wellen schlagen hoch in Eberstadt, sogar bis in den Rhein-Main Teil der FAZ. Unter dem Titel „Radio Wilms“ als Test für Basisdemokratie berichtet die Zeitung über eine gerade gestartete Bürgerbefragung zur Zufriedenheit der Eberstädter mit dem lokalen Einzelhandelsangebot und der möglichen Ansiedlung eines Discounters an der Heidelberger Landstrasse in den seit längerer Zeit frei stehenden Räumen des ehemaligen Radio Wilms mit Erweiterung der Räume Richtung Parkplatz Cityarkaden.  Durch diesen Anbau würden – so die Bürgerinformation – rund 22 Stellplätze dort wegfallen.

Das Infoblatt des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung skizziert ein düsteres Bild: Demzufolge ist das Einzelhandelsangebot in Eberstadt um 13 % zwischen 2004 und 2012 zurückgegangen. In der Information wird klar für die Ansiedlung des Lebensmitteldiscounters im Zentrum geworben, um die Attraktivität des Standorts Eberstadt zu erhöhen. Ob diese eindeutige Parteinahme so korrekt in einem Infoblatt ist, lasse ich mal dahingestellt sein. Auch wird die mögliche Verschärfung der Parksituation in der Info ausgeblendet. Wo sollen denn die dann plötzlich zusätzlich zahlreich strömenden Bürger ihr Fahrzeug abstellen so sogar noch 22 Parkplätze wegfallen?

Aus dem Infoblatt der Stadt

Positiv ist auf jeden Fall, dass die Stadt unter Führung des Grünen OB Jochen Partsch die Umfrage bei den Bürgern gestartet hat und so ein Stück Basisdemokratie praktiziert. Wir haben den Fragebogen ausgefüllt und werden ihn heute zur Post geben.

Derzeit leben wir in Eberstadt meiner Ansicht nach noch in fast idyllischen Zuständen. Per Fuss kann ich beispielsweise verschiedene Metzger, Bäcker, einen Gemüseladen, Apotheken, Schuhmacher, Drogeriemarkt, die Sparkasse, den Optiker, meinen Fischhändler und auch den Rewe erreichen. Das sind „meine“ Einkaufsquellen und es gibt noch viele weitere Geschäfte. Eine immer noch sehr gute Infrastruktur, auch wenn einige Geschäfte in den letzten 10 Jahren geschlossen haben. Der Schlecker um die Ecke steht jetzt leer. Der Bäcker, zu dem ich 50 Meter hatte und wo ich regelmässig ein sehr gutes Bauernbrot gekauft habe, hat auch geschlossen. Mein in Fussweite erreichbarer Weinhändler ist schon lange weg und die Mieter wechseln ständig. Viele Modegeschäfte sind zu, doch wen wundert das angesichts der H &M’omanie und den Loop5’s dieser Welt?

Noch ist die Einlaufssituation sehr gut, aber natürlich muss man aufpassen. Aber da ist jeder einer gefragt, lokal zu kaufen und nicht immer nach dem Geiz-ist-geil-Prinzip die Aldis, Lidls, Pro und Media Märkte dieser Welt reich zu machen. Mit den Aldi-Brüdern, die trotz ihrer Millionen keinerlei soziales Engagement für Kultur oder Sport zeigen, hab ich es eh ganz besonders … Also, an die eigene Nase fassen und dann auch mal im Einzelhandel kaufen. Wir haben jetzt gerade unsere elektrische Zahnbürste beim lokalen Elektrogeschäft gekauft, das zwei ältere Leutchen noch führen. A bisserl teurer war es, aber dieser Tante Emma-Elektroladen ist sicher persönlicher als der ProMarkt, der keine 5 KM weg im Pfungstädter Industriegebiet zu finden ist.

Klar, man muss es sich leisten können – und wollen -, lokal einzukaufen. Ich glaube aber nicht, dass ein weiterer Lebensmittelmarkt in Eberstadt die Einkaufsqualität steigert. Es gibt den besagten Rewe, es gibt Aldi und Lidl – und den Wochenmarkt am Samstag. Wer es denn braucht: Große Einkaufsmärkte sind nicht weit weg in Pfungstadt oder Richtung Darmstadt. Ich glaube also nicht, dass ein großer Lebensmittelmarkt eine vernünftige Berreicherung und Lösung wäre. Schon mit den City Arkaden hat man sich mit einem Prestigeobjekt vergaloppiert. Bis auf Fischhändler Gütlich, den Schumacher und Hirt Hörgeräte wechseln dort laufend die Mieter in den verbleibenden Geschäften. Lieber den Einzelhandelsbestand in Eberstadt hegen und pflegen und die Bürger aufklären statt eines neuen Prestigeobjekts (und der potentielle daraus resultierenden Gewerbeeinkünfte).

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