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Michael Pleitgen beklagt in seinem Beitrag das Ende der (traditionellen) Weinmagazine. Ganz offensichtlich gibt es – so der gut recherchierte Artikel – Probleme mit den Auflagen und viele Verlage repositionieren ihre Titel.

Auch wenn es die Titel noch gibt – kann man überhaupt noch von einer existenten Weinpresse in Deutschland sprechen? Muss sich die Weinbranche in Deutschland nicht ganz schnell neue Foren suchen um nicht ganz in der Öffentlichkeit unterzugehen?

via Weinmagazine – kommt jetzt das letzte Aufgebot?.

Dirk Würtz greift das Thema in seinem Blog auf und attestiert der weinschreibenden Zunft Langeweile und keine neuen Ideen:

Einfach einmal anders sein, den Mut haben, neue Wege zu gehen und nicht immer und immer wieder den gleichen Einerlei zu publizieren wäre schon einmal ein richtiger Schritt. Diese zur Zeit existente Art des PR- und Besserwisserjournalismus in Sachen Wein lockt keinen Hund hinter dem Ofen vor.

Natürlich geht es, und das ist das Hauptproblem, um Geld. Es gibt kein Geld für neue Geschichten, kein Geld für ausführliche Reisen, kein Geld für Recherchen, kein Geld für Redaktionen – kurzum es herrscht Ebbe.

Ein Großteil der Leser ist wohl per se nicht bereit, für online-Inhalte Geld zu bezahlen. Das muss und das wird sich ändern. Ich kann das übrigens auch sehr gut nachvollziehen. Für das aktuelle weinjournalistische Angebot der Verlage im Netz würde ich persönlich auch nichts bezahlen wollen. Es ist zumeist – leider – gähnend langweilig.

via Weinjournalismus « Würtz-Wein.

Gähnend langweilig und oft in einer Sprache geschrieben, die nicht gerade interessiert. Pleitgen mahnt:

Mittlerweile sollte jedem klar sein, der Sinkflug wird nur durch radikale Änderungen zu stoppen sein. Am Beispiel E&T sieht man, dass die Verzahnung von Print und Online Früchte tragen kann. Alles andere wird früher oder später das Aus bedeuten.

via Weinmagazine – kommt jetzt das letzte Aufgebot?.

Für mich zu kurz gesprungen. Ich würde hier ein größeres Fass aufmachen wollen: Wir können nicht mehr nur von Weinjournalismus, von Print und Online reden. Soziale Medien, Communities und Blogs gehören heute auch zur Realität. Viele Interessenten wollen gedruckt lesen, doch immer mehr gehen online. Und immer mehr Weininteressierte schauen nicht nur nach den traditionellen Hochglanzmagazinen, sondern vielmehr nach Empfehlungen und Bewertungen anderer Weintrinker oder nach Tipps anerkannter Experten. Das macht das Leben der Verlage sicher nicht einfacher. Sie werden sich aber – und das nicht nur in der Weinpresse (welch schön doppeldeutiges Wort) – mit diesem Trend auseinandersetzen müssen, ihn adaptieren oder aber wie eine FR … verschwinden. Davon bin ich fest überzeugt.

Das Gejammere um die Kostenloskultur im Netz kann ich dabei nicht mehr hören. Klar sind die Internetnutzer vielleicht verwöhnt. Aber eines ist klar: Sie werden nur dann zahlen, wenn sie Mehrwert bekommen. Wenn dieser Mehrwert – die Empfehlung für einen Wein oder der ein oder andere Tipp – kostenlos in einer Community oder einem Blog zu bekommen ist, dann holen sie sich diese Inhalte von dort – eben ohne etwas zu zahlen. Die lieben Verlage sollten sich mal an die eigene Nase fassen, dass sie die Zeichen der Zeit verschlafen haben und kein Geschäftsmodell entwickelt haben, das soziale Kanäle, den Input von Bloggern und Onlinenutzern in ihre Publikationen integriert.

Übrigens haben sicher nicht nur die Verlage zu kämpfen. Auch die Weinblogger oder nennen wir es besser die, die gerne von ihrer Weinexpertise leben wollen, haben zu kämpfen und müssen neue Geschäftsmodelle entwickeln, siehe das Beispiel Michael Liebert. Nicht umsonst ist auch die Weinblogszene in Deutschland – so finde zumindest ich – relativ überschaubar: einige wenige aktive unabhängige Blogger, die aber teilweise mit ihrer Nase schon sehr tief im Weinglas stecken, sogenannte Blogs der Onlineshops, die in der Regel eher schlecht gelungene Werbeplattformen sind, wenige Winzer mit eigenen Blogs, mit meist eher weniger aktuellen Informationen.

Wie Michael Pleitgen und Dirk Würtz bin auch ich der Meinung, dass das Interesse an Wein da ist. Das sehe ich an mir selbst und auch an vielen Gesprächen jenseits der Bloggerszene oder des Journalismus. Es gibt das Interesse an Empfehlungen, an Tipps und nennen wir es ruhig Weiterbildung. Neudeutsch: Die Leute wollen eine Community, in der sie sich wohl fühlen, und die allerdings auch ihre Sprache schreibt. Es gibt ja derzeit verschiedene Versuche wie 13Grad , Wein-Communities zu gründen. Mir fehlt aber noch die Kombination an fachlich guter, interessant geschriebener Information (ob von Journalisten oder Bloggern) und aktiver Weincommunity, in der Otto Normalweintrinker seine Meinung und Bewertung abgeben will und kann (und auch mal zu einem Wein lecker schreiben darf, ohne zerrissen zu werden). Ich glaube aber, dass man genau diesen Weg gehen muss. Wäre ein solches Modell finanziell überlebensfähig? Ich weiss es nicht, aber als Verlag dem natürlichen Tod entgegen zu vegetieren, ist sicher keine Lösung.

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