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Wartend auf meinen Abflug nach Hamburg habe ich heute am Flughafen Frankfurt die BILD-Zeitung gelesen. Meine Lieblingsfussballmannschaft Borussia Mönchengladbach ist (bisher) Transferspitzenreiter der Bundesliga  für die Saison 2012/13 und hat mehr Geld als die Bayern oder Dortmnd für neue Spieler ausgegeben. Wow, das ist ein Wort. Die Gladbacher Vereinsführung und Max Eberl haben wahr gemacht, was sie versprochen haben. Die Transfererlöse durch die Wechsel von Reus und Dante (und noch mehr) wurden in neue Spieler investiert. Ich vermute, daß dies auch einer der Gründe ist, warum man Lucien Favre als Trainer halten und seinen Vertrag verlängern konnte.

Das ist ein Wort, aber garantiert das eine Wiederholung des Erfolgs der vergangenen Saison? Garantieren nicht, aber es wurden die Voraussetzungen geschaffen, wieder eine gute Saison hinzulegen. Aber die Investitionen schüren auch die Erwartungen und hier ist Vorsicht geboten. Die Mannschaft der vergangenen Saison war eingespielt und hatte identisch den Abwehrkampf 2010/11 bestritten. Nun muß aber die Achse ter Stegen – Dante – Neustädter – Reus fast komplett ersetzt werden. Vor allem von 3 neuen (und teuren) Neuzugängen wird erwartet, daß sie möglichst sofort da weitermachen, wo die Mannschaft in der vergangenen Saison aufgehört hat.

Ich mahne hier unter vielfältigen Gesichtspunkten zur Vorsicht. Die vergangene Saison ist perfekt gelaufen. Die Mannschaft profitierte aber vor allem in der Hinrunde davon, die Gegner zu überraschen. In der Rückrunde fiel es dann – natürlich – schwerer, denn die Gegner hatten sich auf eine defensiv starke und spielerisch intelligente Borussia eingestellt. In der neuen Saison wird man gleich starke Fohlen erwarten.

Die 3 prominentesten Neuzugänge de Jong (21, Sturm), Xhaka (19, defensives Mittelfeld, potentiell einer der Doppel-Sechser) und Dominguez (23, Innenverteidigung) sind alle extrem jung. Sie werden sich untereinander und mit ihren Mannschaftskollegen einspielen müssen. Das braucht erfahrungsgemäß – auch für einen Trainermagier wie Favre – einge gewisse Zeit. Ich fange jetzt nicht mit den berühmten Laufwegen an, denke aber, dass es bis Ende 2012 dauern kann, bis es wirklich rund läuft. Vor allem muß die Defensive mit den neuen Kräften wieder stehen, denn dies war die Grundlage des Erfolgs der vergangenen Runde.

Gladbach im Europapokal, vielleicht in der Champions League. Da wird jedem Fan warm ums Herz. Die Spiele auf europäischer Ebene bedeuten natürlich auch eine zusätzliche Belastung und mehr englische Wochen, die die Spieler verkraften müssen. Der Kader ist breit besetzt, wird aber wohl auch in dieser Breite benötigt. Und ich hoffe, daß das Gladbacher Umfeld die notwendige Geduld hat. Diejenigen, die die erfolgreichen 70er Jahre erlebt haben, träumen von neuen Erfolgen, aber es gilt auf dem Boden zu bleiben. Daß in Gladbach schnell Unruhe aufkommen kann, hat der Abstiegskampf der Saison 2010/11 und die gescheiterte Palastrevolution rund um Effenberg gezeigt. Geduld ist auch in Gladbach keine Stärke.

Was wird also mit Gladbach passieren? Die ersten 10 Spiele werden den Trend für 2012/13 maßgeblich mit entscheiden. Kommt die Mannschaft einigermaßen gut aus den Startlöchern, so wird man auch eine erfolgreiche Saison spielen. Werden die Spiele mehr oder weniger in den Sand gesetzt, wird Unruhe aufkommen. Unter normalen Umständen rechne ich mit Problemen zum Beginn der Saison. Favre das richten müssen. Und die Vereinsführung muss Ruhe bewahren und auch bereit sein, eine solche Zeit einmal durchzustehen. Seit nahezu Jahrzehnten standen die Zeichen für Borussia nicht mehr so gut, aber es wird kein Selbstläufer. Trotzdem mein Tipp: Ein Platz unter den ersten Acht der Bundesliga ist drinnen, mit Glück mehr, aber mit Bayern, Dortmund, Schalke und vielleicht auch mit Wolfsburg ist zu rechnen, Leverkusen, Stuttgart und Hannover sind nicht zu unterschätzen.

P.S. Ich hoffe natürlich auch, daß man sich bei der Borussia nicht finanziell übernommen hat, und man weiter solide weiter arbeitet. Die Investitionen sind schon enorm.

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Auch in den vergangenen Saisons habe ich immer vor der Runde meine Einschätzung abgegeben (und auch desöfteren daneben gelegen). Hier die Links zu meinen damaligen Kommentaren, die ich in meinem „Originalblog“ DigitalNaiv veröffentlicht habe.

Rückblick auf die vergangenen Saisons

  • Saison 2011/12 – Eine sensationelle Saison wird unter Trainer Favre mit Platz 4 abgeschlossen
  • Saison 2010/11 – Einbruch in der darauf folgenden Runde, gedanklich schon abgestiegen, Frontzeck muss gehen, Favre kommt, sah und verhindert Abstieg
  • Saison 2009/10 – Michael Frontzeck als Trainer überrascht und überzeugt: Sicherer und souveräner Klassenerhalt
  • Saison 2008/09 -Wiederaufstieg mit Luhukay, Lukukay muss gehen – Mühsamer Klassenerhalt mit Hans Meyer
  • Saison 2007/08 – 2. Liga: Souveräner Aufstieg unter Trainer Luhukay
  • Saison 2006/07 – Abstieg aus der Bundesliga – Heynckes scheitert, Luhukay kann es nicht mehr richten
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